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Geschichte der Stadt Kazimierz und der Krakauer Juden
1335 erließ König Kasimir der Große ein Privileg für die Gründung einer Stadt nach Magdeburger Recht, die nach dem Herrscher Kazimierz benannt wurde. Dieses Vorhaben war von großer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung, denn die neue Stadt sollte für Krakau nicht nur als Handelspartner fungieren, sondern dank ihren festen Wehrmauern auch eine Art Schutzschild im Süden bilden. Das Gelände, auf dem Kazimierz gegründet wurde, war keine Einöde, auch wenn die Gegend wegen ihrer ungünstigen natürlichen Bedingungen (Überschwemmungsgebiet der Weichsel, Sumpfland) bei den Siedlern nicht beliebt war.
Bekannt ist, dass sich auf dem so genannten Felsen (Skałka) bereits in der Mitte des 11. Jahrhunderts eine romanische Rundkirche mit einer kleinen Siedlung befand. Im östlichen Teil, nahe dem bereits 1198 urkundlich erwähnten Dorf Bawół, stand wiederum eine heute nicht mehr existierende Lorenzkirche. Der heutige Wolnica-Platz entspricht dem Umriss des alten Marktplatzes von Kazimierz, auch wenn dieser ursprünglich viel größer war. Der Marktplatz wurde kurz nach Stadtgründung großzügig angelegt und stand dem Hauptmarkt von Krakau nur wenig nach. Im Westen zog er sich bis zur heutigen Augustiańska-Straße und im Süden bis zur Skawińska-Straße und dem so genannten Esterka-Haus (Krakowska-Straße 46). Nur der östliche und der nördliche Flügel (verlängert um die Węgłowa-Straße) deckten sich mit dem Umriss des gegenwärtigen Wolnica-Platzes. Den Marktplatz durchquerte eine Salzhandelsstraße, die zu den königlichen Salinen in Wieliczka und Bochnia führte (heute Krakowska-Straße).
Kurz nach Erlass des Gründungsprivilegs wurde mit dem Bau von zwei großen Kirchen begonnen: der Fronleichnamskirche und der Katharinenkirche. Auch wenn die These nicht in Urkunden belegt ist, spricht vieles dafür, dass Kasimir der Große hier den Bau der Collegien für die kurz zuvor gegründete Universität beabsichtigte.
Entscheidend für die spätere Geschichte der Stadt Kazimierz und der Krakauer Juden war ein Dekret von König Jan Olbracht, mit dem sie der Stadt Krakau verwiesen wurden (1495). Bevor dies aber geschah, entwickelte sich die jüdische Gemeinde knapp zwei hundert Jahre lang ausgesprochen virulent. Die Angehörigen der jüdischen Gemeinde beschäftigten sich mit Handel, Handwerk und Geldgeschäften. Die Bedeutung des letzteren Gewerbes stieg kontinuierlich. Aufgrund fehlender Konkurrenz brachte ihnen dieses auch die höchsten Gewinne ein, wenn auch keine Sympathie, denn Bankiers galten damals allgemein als Wucherer. Anfangs lebten die Krakauer Juden in der Umgebung der Św.-Anny-Straße (die sogar als „Judengasse“ bezeichnet wurde). Als sie gezwungen wurden, ihre Häuser wegen des geplanten Baus der Universität zu verkaufen (1469), zogen sie in die Nähe des Szczepański-Platzes. Obwohl sie die Gunst der Herrscher genossen, verschlechterte sich die allgemeine Einstellung zu den Juden zusehends. Im 15. Jahrhundert kam es vielerorts in ganz Europa zu Judenverfolgungen. Als nach dem großen Stadtbrand (1494) die Schuld für diese Katastrophe den Juden angelastet wurde, beugte sich der König dem Druck und erließ jenes Dekret, mit dem die jüdische Bevölkerung aus Krakau in den südöstlichen Teil der selbstständigen Stadt Kazimierz übersiedelt wurde. In Kazimierz lebten zwar schon zuvor Juden, allerdings bewirkte der Zuzug der wohlhabenderen und besser organisierten Glaubensgenossen aus Krakau, dass dort bald ein ganzes jüdisches Stadtviertel entstand. Es nahm ein viereckiges Gelände zwischen Józefa- und Bożego-Ciała-Straße und der an der Wehrmauer von Kazimierz gelegenen Miodowa- und Dajwór-Straße ein. Nach damals geltendem Brauch wurde das jüdische Viertel vom christlichen Teil der Stadt durch eine innere Mauer abgetrennt.
Über mehrere Jahrhunderte stellte diese kleine Fläche den Mittelpunkt des jüdischen Lebens von Kazimierz dar. Die Juden pflegten ihre Religion, Kultur und Brauchtum. Sie errichteten prächtige Häuser und Synagogen. Der Zuzug von Einwanderern (vor allem aus Böhmen und Mähren) erzwang sogar die Erweiterung der Stadt in südlicher Richtung bis zu der Linie der Św.-Wawrzyńca-Straße. Durch den Schwedeneinfall, die schwedische Besatzung und den Nordischen Krieg wurde Kazimierz stark in Mitleidenschaft gezogen. Wegen des fortschreitenden Verfalls der Bausubstanz und der daraus resultierenden Häuserabrisse lässt sich die ursprüngliche städtebaulichen Anlag teilweise nicht mehr erkennen. Von der Pracht der vergangenen Zeit zeugte nur noch das elegante, aber marode inmitten des Marktplatzes stehende Rathaus. Die Einwohner der seit jeher übervölkerten jüdischen Stadt mussten lange warten, bis ihnen die Behörden das Wohnrecht auch außerhalb der Mauern des Judenviertels gewährten.
Erst 1818, als Krakau zur Freistadt wurde, erhielten die Juden das Recht, sich auch in anderen Teilen von Kazimierz anzusiedeln und dort Handel zu treiben. Diese Entwicklung erleichterte den Abriss der Stadtmauern (1822). Zeitgleich mit der Verleihung der Autonomierechte an Galizien erfolgte die politische und konfessionelle Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung.
Die jahrhundertelange Präsenz der Juden in Kazimierz und in Krakau endete in der Zeit des Zweiten Weltkrieges durch die systematische Vernichtung dieser Gemeinschaft. Von den 58.000 Juden, die 1939 in Krakau wohnten, überlebten nur 3.000 den Krieg...
Hören Sie sich mehr über Kazimierz an.
Die Audio-Datei stammt aus dem Reiseführer Krakau - eine magische Stadt, den Sie unter www.guidebuy.pl herunterladen und an InfoKraków-Stellen ausleihen können.
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